Waldbröl hat wieder ein Einfahrsignal
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- Erstellt am Donnerstag, 01. Dezember 2011 08:37
Autofahrer werden sich am Waldbröler Boxberg wundern, was da aus dem Bahneinschnitt aufragt: An historischer Stätte steht seit dem 26. November 2011 wieder ein Einfahrsignal. Es braucht noch etwas Pflege, bis es wieder in altem Glanz erstrahlt, doch erinnert es auch schon jetzt daran, dass „da unten“ im Einschnitt eine Eisenbahnstrecke verläuft.
Das Signal wird zunächst fest auf "Halt" stehen. Ein Schreibschrift-"M" signalisiert dem Lokführer dann, dass er auf mündlichen Befehl des Zugleiters passieren darf.
Ein Blick in die Geschichte
Werfen wir aus diesem Anlass anhand einiger Bilder einen Blick in die Geschichte.
Nicht nur Waldbröl war bis zur Einstellung des Personenverkehrs im September 1965 mit Einfahrsignalen ausgestattet. Fotos der Signale sind leider rar. So sei hier das Einfahrsignal von Hermesdorf aus Richtung Denklingen gezeigt, das sich auf dieser schönen Aufnahme von 1957 mit Denklingen im Hintergrund rechts unten versteckt. Foto: Cekade, Sammlung Ulrich Clees
Hier das Signal nochmal in der Vergrößerung. Foto: Cekade, Sammlung Ulrich Clees
Das Waldbröler Einfahrsignal "A" (Ausfahrsignale gab es nicht) wurde ursprünglich vom Stellwerk "Wot" aus gestellt. Von hier aus verliefen die Stelldrähte entlang des Entwässerungsgrabens bis unterhalb des Signals, hinauf zum Signal, wieder hinab und weiter zum Vorsignal. Gleich unteerhalb des Signals stand eine kleine Wellblech-Fernsprechbude. Auf dem Foto sehen wir im Vordergrund das Stellwerk "Wot", rechts dahinter die Jugendherberge mit Viehställen im Ergeschoss für den Waldbröler Viehmarkt. Die beiden Güterwagen links stehen auf der noch heute vorhandenen und in jüngerer Zeit sanierten Rampe der einstigen Viehwagenentseuchungsanlage. Vor dieser Rampe stand ab dem Zweiten Weltkrieg eine Wellblechbude, von der aus das Einfahrsignal gestellt wurde, nachdem das Stellwerk "Wot" im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Auch die Weichenschlüssel waren dort eingeschlossen, denn die Weichen im oberen Bahnhofskopf wurden nicht mehr an ein Stellwerk angeschlossen sondern auf Handbetrieb umgestellt.
Hier sind wir nun Fahrdienstleiterstellwerk, das 1936 an das Bahnhofsgebäude angebaut wurde. Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1965 wurde die Stellwerkstechnik ausgebaut, in den neunziger Jahren wurden die Räume zur Wohnung, bis wir sie wieder als Diensträume eingerichtet haben. Raimund Wehner, der von seiner Lehre in den dreißiger Jahren bis zur Pensionierung in den Siebzigern fast durchgehend auf dem Bahnhof Waldbröl gearbeitet hat, sagt uns, was wir sehen: Zunächst natürlich den Stellwerker, namentlich Erich Meyer ("der Stellwerksbär"), der eigentlich oben im Bahnhof auf dem Wärterstellwerk arbeitete. Später wurde er Kleinlokführer. Und wir sehen das Stellwerk von Scheidt & Bachmann: Vor der Fensterreihe die Weichenstellhebel, vorne die beiden Telegrafenrollen: Links die des Bezirkstelegrafen für Mitteilungen an alle, rechts der Zugmeldetelegraf für Zugmeldungen von und nach Hermesdorf. Links der große Kasten ist der Bahnhofsblock. Doch auch die angeheftete Dienstanweisung hilft nicht: Seit der Zerstörung des Stellwerks "Wot" im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhofsblock außer Betrieb. Die Verständigung mit der Ersatzbude und damit dem Wärter, der für das Stellen des Einfahrsignals verantwortlich war, geschah allein telefonisch. – Sie fragen sich jetzt, wie die Kleinbahn Bielstein – Waldbröl in den Bahnhof einfahren konnte? Sie hatte kein Einfahrsignal, sondern eine stellbare Deckungsscheibe. Bei Abfahrt des Zuges in Nümbrecht meldete die Kleinbahn ihre Züge vor. Foto: Diehl, Sammlung Wiehltalbahn
Und die Technik? Heute hat sich die Technik gewandelt. Zugmeldungen werden nicht mehr auf dem Telegrafenband, sondern mittels einer speziellen Mobilfunknummer auf einem elektronischen Speicher aufgezeichnet. Die Weichen sind nach wie vor handgestellt, doch der Zugführerschlüssel ist wieder wie einst in einem Blockwerk eingeschlossen. Foto (Oktober 2010): Ulrich Clees


